Tag des Vorlesens – OS Malschwitz

Es gibt Schulen, die ignorieren diesen Tag, leider … aber die Oberschule Malschwitz lässt es sich kein Jahr nehmen und lädt Autoren, Lehrer oder eben lesewütige Bekannte ein, die dann 2 Stunden vorlesen. Hier stelle ich euch die Bücher und Klassen vor, wo ich unterwegs war …

November 2018

Es war klar,dieses Jahr habe ich wieder die Kraft und Energie zu lesen und als die Schule fragte, kam ein klares „Ja,natürlich!“ von mir. Auf die Anfrage, ob ich eine bestimmte Klasse im Auge hätte, fiel mir nichts sein und so bekam ich erst drei Tage vorher die Info, dass es eine 8. Klasse ist. Während der Tage davor, waren mir zig Klassen eingefallen, wo ich gern gelesen hätte. Zum Einen die 10a, weil dort Theresa lernt. Theresa ist jemand Besonderes. Erstens arbeiten wir schon mehrere Jahre in Mathe und Englisch zusammen, zum anderen ist da eine Verbindung, die ich nicht beschreiben kann. Sie hat einen festen Platz in meinem Herzen und während meiner Krebserkrankung litt sie mit mir, als wäre ich ein enges Familienmitglied. Doch auch in Nick’s Klasse wäre ich gern gegegangen, denn er ist der Sohn meiner mit besten Freundin Suse und so könnte ich hier noch 4 oder 5 andere Klassen nennen. Aber es war eben die 8b. Als ich am Morgen aufstand, ging ich in meine Bibliothek und griff spontan nach zwei Büchern. Das 1. war Lilli Becks „Wie der Wind und das Meer“, das 2. „Dark Noise“ von Margit Ruile.

Treff war wie immer im Lehrerzimmer und ich wurde liebevoll begrüßt. Wo ich denn lese würde, kam als Frage. Meine Antwort die 8. Klasse von Herrn Wödel. Mitfühlende Blicke ereilten mich. Okay, ich war gewappnet. Hatte ich doch 2016 erst eine sehr wilde Klasse von Herrn Wödl besucht und es war gelungen sie zu begeistern und, mein 2. Pluspunkt, ich bin Lehrer und unterrichte jeden Tag, mittlerweile zwar überwiedern Erwachsene, aber …

Herrr Wödl kam, begrüßte mich herzlich und meinte, diese Klasse sei noch lauter, noch schwieriger als die Letzte und es würden mich überwiegend Jungen erwarten. Als wir vor dem Zimmer 8 ankamen, rempelten sich Jungs lautschreiend an und zeigten schon mit Blicken, wie groß ihr Interesse sei, vorgelesen zu bekommen. Nachdem alle saßen, schaute ich sie kurz an, erzählte ein wenig über mich und griff nach „Wie der Wind und das Meer“. Herr Wödl hatte mich vorher gefragt, ob er hinten in der Klasse etwas korrigieren dürfte, meinetwegen hätte er aber auch ins Lehrerzimmer gehen können, es war mir egal.

Ich begann zu lesen, erzählte, wie München im Bombenhagel versank, wie Menschen in einem Luftschutzbunker ausharrten, wie sie hofften, wieder verschont zu bleiben und wie dann die Wände wackelten, alles einstürzte und das Leben für Paul auf einmal so anders wurde. Ich erzählte, wie er allein durch die Stadt oder besser die Trümmer irrte, auf der Suche nach Verwandten, nach seiner Stiefmutter, seiner kleinen Halbschwester, wie mit jedem Schritt die Hoffnung sank und wie er sterben wollte, weil er keinen Sinn mehr im Leben sah. Er erinnerte sich an seinen Vater und die harte und lange Flucht aus Pommern, die dieser nicht überlebt hatte und wünschte sich, elfjährig, den Tod. Er war allein und hoffnungslos, hoffnungslos, bis er da dieses Mädchen sah. Rosalie! Seine kleine Schwester, er rannte, er taumelte, er schrie ihren Namen und sie drehte sich um und er musste erkennen, dass es nur ein anderes Mädchen war. Ein Mädchen, dass auch ihre Familie suchte und das Rosalie nur ähnlich sah. Das Mädchen hieß Sarah und war Jüdin. Paul beschließt, dass er Sarah als seine Schwester annehmen würde, dann wäre er nicht mehr allein, dann hätte alles wieder einen Sinn und auch wenn Sarah sich am Anfang wehrt, so erkennt sie, dass es die einzige Möglichkeit ist, um zu überleben.Beide haben Glück, beide werden irgendwann nach Kriegsende von einem reichen Kaufmannsehepaar adoptiert und doch haben sie eine Sache niemals eingeplant. Diese wird sie einholen, doch es ist zu spät, zu spät für die Wahrheit.

Die Klasse, diese laute Klasse, diese Klasse mit 23 lauten Jungs und 5 Mädchen, war still. Mucksmäuschenstill! Herr Wödl korrigierte keine Arbeiten, alle hörten zu ……

90 Minuten später klappte ich dieses wunderbare Buch zu, die Klasse schaute mich an und ich bin mir sicher, der ein oder andere hat an diesem Tag erkannt, dass  Lesen so viel mehr sein kann. Das Lesen träumen, reisen, Wut, Ohnmacht und Trauer sein kann – all diese Gefühle gemalt mit den eigenen Bildern im Kopf.

Lilli Beck hat es mit ihrer Geschichte und meiner Stimme geschafft, dass eine furchtbar laute Klasse, leise zuhörte. DANKE, liebe Lilli. Auch beim 2. Lesen hat mich deine Geschichte wieder ungemein berührt.

PS: Wenn Schüler anderer Klassen nachher neidvoll anmerken,dass sie auch gern so eine Leserin mit so einem Buch bei sich gehabt hätten, diese Schüler aus den Klassen 9, 7 und 10 kommen, dann weiß ich, ich habe alles richtig gemacht!

Lilli Beck

Der Weg zum Buch

November 2017

Ein Tag des Vorlesens – ohne mir. Ich sitze zu Hause und warte auf meine Taxi, dass mich in Klinik fahren wird – abends 19.45 Uhr. WEnn die Infektionsgefahr nicht so groß wäre,wäre ich lesen gegangen. Aber es wird einen neuen Tag geben und dann bin ich wieder dabei.

November 2016

Ich freute mich auf diesen Tag, nahm mir an meiner Schule früh frei und fuhr nach Malschwitz. Ich wusste, ich lese in der Klasse meiner Johanna. Wie cool! Sie teilt mit mir das Hobby des Lesens. Gemeinsam waren wir schon auf der Messe in Frankfurt und sie ist mein 3. Kind, nicht biologisch, aber im Herzen.

Wieder wählte ich spontan ein Buch. Ich ging in meine Bibliothek und ich griff nach einem Buch und steifelte los. „Doppeltot“ von Gieon Samson war ein Jugendroman, den ich kurz vorher vom Verlag als Rezensionsexemplar bekommen hatte und ich war mir sicher, dieses buch würde sie begeistern. Obst und Süßigkeiten wurden schnell auf den Tischen verteilt und dann las ich. ich zog alle mit in den Bahn, die Schüler lauschten gespannt der GEschichte, die Lügen, Intrigen und alles mit sich bringt, die so sehr auch einige Tile des Alltags der SChüler zeigt. Genervte Eltern, neidische Freunde ….. Ideen, die entstehen, wenn man Langeweile hat und am Ende ist dann doch alles anders. Zwei beste Freundinnen, eine wild, verrückt. Die andere einfach nur beeindruckt von der Energie der Anderen. Als die Wildere die Idee hat, dass sie an ihrer eigenen Beerdigung teilnehmen möchte, zweifelt die Andere erst. Doch dann ist sie überredet, gemeinsam setzen sie den Plan um. Doch am Ende gerät alles außer Kontrolle!

Die Klasse genoß dieses spannende Jugendbuch und ehrlich: 90 Minuten sind zu kurz zum Vorlesen! Bis bald wieder in Malschwitz

 

 

November 2015 Klasse 10b 

Als ich die Schule betrat, war klar ich lese in der 10c und ich freute mich auf diese Klasse, denn in diese Klasse geht mein Patenkind – im Lehrerzimmer dann die Überraschung und Anfrage, ob ich auch in die b gehen würde – na klar .. Hauptsache ich kann lesen ,-) Spontan hatte ich um 6.45 Uhr in meiner Bibliothek „Es wird keine Helden geben“von   Anna Seidel aus dem Regal gezogen. Die 10b ein wilder Haufen, viele Jungen und ich behaupte einfach einem 85 Prozent der Schüler haben noch niemals ein Buch in den Händen gehalten. 

Anna Seidels Buch passte zu diesen Tag, wie kein anderes, aber das wurde mir erst im Nachhinein bewusst, ich lehnte mich an den Lehrertisch und begann zu lesen. Leise und dann wieder sehr emotional erzählte ich die Geschichte einer Schülerin, die einen Amoklauf an ihrer Schule beschreibt. Sie schreibt, dass sie nicht an ihre Freunde dachte, sondern das nur ihr eigenes Leben zählte. Sie schreibt, wie sie ihren Freund sterben sieht …

Ein brutaler Einstieg, eine schweigende Klasse – das Leben der Schülerin ist von einem Tag auf den anderen ein anderes. Es zählen nicht mehr die Klamotten, das Aussehen – es zählt, dass sie weiterleben muss. Aber will sie das überhaupt so? Es wird ein schwerer Weg, eine harte Probe …

Es ist ein Jugendbuch, aber : ich kann es einem Jeden ans Herz legen. Ich war 2014 begeistert, als ich es gelesen habe und alle 10er waren jetzt begeistert. Schweigend hörten sie zu und als die 2 Stunden um waren, hätten sie gern noch mehr gewusst … nun hoffe ich, dass der eine oder andere Schüler den Weg in den Buchladen findet. 

published by Öttinger – ISBN-13: 978-3-7891-4746-3, 14,956€ ab Januar auch als Tb

November 2014 Klasse 10 a

Mein Sohn besucht diese Klasse und auf das Drängen seiner Mitschüler hin, stand ich also wieder vor der Aufgabe in dieser Klasse zu lesen. Am Abend ging ich in meine Bibliothek und überlegte, was ich denn dieses Mal mitnehmen sollte. Was Lustiges? Etwas Geschichtliches? Etwas für das Herz? Nicht einfach bei mittlerweile über 1000 eigenen Büchern … Doch dann ein Lichtblick, hatte ich doch kurz zuvor ein Rezensionsexemplar von Manfred Theisen bekommen.

„WEIL ES NIE AUFHÖRT“ Manfred Theisen

Dieses Buch beinhaltete in Thema, dass so aktuell ist, dass es mir mehr als passend erschien. Sieht man einen Schüler, dann hat er so ziemlich sicher und das trotz Handyverbot an der Schule, irgendwo sein Smartphone. Manfred Theisen zeichnet in einem sehr spannenden Roman die Gefahren von Cybermobbing auf und das brachte ich der Klasse näher. 

Der Roman teilt sich in zwei Handlungsstränge. Zum einen ist da ER, der Typ, der stundenlang vor dem Rechner sitzt, der sein Geld lieber irgendwie dubios im Internet verdient, dessen Mutter eine Lehrerin mit einem Alkoholproblem ist und dann ist das Alissa, genervt von ihren Eltern, gestresst vom Freund und dann bekommt sie plötzlich eine interessante Facebook Nachricht. Diese Nachricht wird ihr Leben verändern, sie wird Alissa prägen, denn sie wird blind vertrauen und dieses Vertrauen wird er brutal missbrauchen, er wird ihre Fotos gegen sie verwenden und ihr wird nur ein Ausweg bleiben.

Der Autor riss auch die Klasse 10 a mit sich und schweigend hörten sie zu, ergaben sich dem Schicksal und wollten doch so gern das Ende wissen.

Wie immer las ich bewusst nur bis zur Hälfte, soll doch dieser Tag die Liebe zum Lesen wecken und ich weiß, dass einige Schüler das Buch nachher selbst gelesen haben.

cbt Verlag; 978-3-570-30902-5

Da ich noch Lesezeit hatte, packte ich einen zweiten Roman aus.

„ZWEI HALBE LEBEN“ Rebecca Stephan

Auch wenn die Geschichte fiktiv ist, so ist sie so beeindruckend und bewegend und ich bin mir sicher, irgendwo das draußen gab es Menschen, denen es im 2. Weltkrieg genauso ging.Auch ihnen werden nur ein paar Tage Liebe und Glück genügt haben, um bis ans Ende der Tage davon zu zerren.

Sophie und Max, die beiden Protagonisten, werden in Frankfurt bei einem Luftangriff verschüttet. Angst, Beklemmung und das Wissen vielleicht nie mehr rauszukommen… Doch irgendetwas ist anders – sie suchen Schutz und Hoffnung bei dem anderen und sie verlieben sich und das obwohl beide verheiratet sind. Ihr Herz schreit nach Liebe und ihr Verstand lässt sie zurückkehren. Sophie zu ihren gewalttätigen Ehemann und May zu seiner kaltherzigen Frau. Doch sie geben sich ein Versprechen: einmal im Jahr werden sie sich sehen, dieser eine bestimmte Tag soll ihnen gehören – doch dann schlägt das Schicksal zu und fragt nicht, ob es das darf.

Listtaschenbuch ; ISBN 975-3-548-61065-8