Costa Rica 2017

Da war es nun wieder einmal so weit, ein reichliches, halbes Jahr war vergangen und die Sehnsucht nach der Ferne war zurück. Kuba wollte ich schon immer gern bereisen und so beschloss ich im Januar nach Angeboten zu suchen. Keine Chance! Es war zu spät – traurig schaute ich die junge Frau im Reisebüro an und wollte eine Alternative. Ihre Antwort kam prompt: „Wie wäre es mit Costa Rica?“ Ich gestehe: es war mir fast egal, Hauptsache ich konnte dieses nasse, kalte Deutschland hinter mir lassen. Der Norden wäre traumhaft, versicherte sie mir und das Wetter immer genial. Die Idee gefiel mir und trotzdem wurde es nicht der Norden, sondern der weniger bekannte Süden und diese Reise, diese wunderbare Reise, dieses Abenteuer, das soll hier mein neuer Reisebericht werden.

Bei 12 Grad minus verließ ich Deutschland und nach einem kurzen Zwischenstopp in Santo Domingo kam ich nach fast 13 Stunden Flug in San José an. Es war morgens gegen 7 und der Check-in ins New Balmoral ging erst schwer, dann zügig. (Check-in ist normalerweise 14 Uhr – aber der nette Herr hatte Erbarmen und sah mir wohl an, dass eine Dusche dringend nötig wäre) Dann wollte ich raus, die Sonne schien, es waren 25 Grad und der Hunger plagte mich. Das Hotel liegt direkt an der Laden- und Bummelstraße und so fand ich schnell einen kleinen, bäckereiähnlichen Imbiss. Sie hatten wunderbare Küchlein und ich freute mich darauf. Das Bestellen allerdings erwies sich als Katastrophe. Kein Wort Englisch wurde verstanden. In diesem Laden standen 6 Frauen und nicht eine konnte Englisch? Das sollte ja wohl noch interessant werden. Mit Händen und Füßen erklärt, bekam ich einen Kaffee und mein Küchlein. Als ich meine Dollar zückte und bezahlen wollte, schüttelte sie wieder den Kopf. „Nur Colones“ Also zückte ich meine Visa. Kurz darauf stand ich vorm Nationalmuseum. Leider waren einige Teile geschlossen, trotzdem war es den Besuch wert. Die Straßen dahin waren gesäumt von bunten, lebensfrohen Menschen, die vor den kleinen Häusern langströmten. An den Ecken standen Männer und verkauften frisches Obst, es duftete herrlich. Nach einer kurzen Pause am Mittag zog ich los, um mir die Parks der Stadt anzusehen und ich erlebte eine Stadt, die noch lebendiger war. Überall Menschen, Musiker, Bands oder Leute, die einfach eine Decke mitten in der Fußgängerzone ausgebreitet hatten und irgendwas verkauften. Ob ein Porträts malen, Bildern kaufen, Fotos machen, Handarbeiten oder Spielzeug und Süßigkeiten – es gab alles. Einige boten ihre Waren laut feilschend an und andere standen einfach da. Ich sah einen Buchladen und sofort war mir klar, dass hier ein neues Buch für meine Biblio herkommen musste. Leider verstand der Verkäufer meinen Wunsch überhaupt nicht, dass er den Namen des Bookstores und den Ort, sowie seinen Namen einschreiben sollte. Ich arbeitete mit Händen und Füßen und plötzlich kam eine Frau und fragte, ob sie helfen kann. Sie sprach deutsch und ich erklärte ihre meine Bibliothek und meinen Tick – sie war begeistert und erklärte es ihn und nun wohnt ein Buch 1636 in meiner Bibliothek. Am Abend bekam ich noch die Info, dass um 10 Uhr der Leihwagen vorm Hotel ankommt und genoss das leckere Essen im hoteleigenen Restaurant. Am nächsten Morgen war ich so zeitig wach und wollte eigentlich Haare waschen, aber sicher erinnert ihr euch an meine Dramen in Kanada und auch hier gibt es 110 v – ich föhnte sie also nur kurz über und ging auf die Suche nach einer Bank um endlich Colones zu bekommen und ja jetzt besitze ich welche. Zurück im Hotel aber grübelte ich über die Summe – auf dem Schein steht 2 Mio und am Rand 20000 – ich rechnete hin und her und überlegte, wie es denn nun richtig wäre und stellte fest 50000 Colones sind nichts für die nächsten Tage in Urwald und ging noch einmal, denn es werden wohl keine Dollar akzeptiert. und ehrlich mit 83 Euro kommt man nicht weit. lach.

Nach dem Frühstück und der endlos dauernden Übergabe des Leihwagens, welcher gefühlte 7 Mio Schrammen hat, ging es los.

                                                                            so lebt San Jose

img_0002 das Nationalmuseum

img_0036 na wisst ihr, was das ist? ja richtig: ein Stück Berliner Mauer mitten in San Jose

Das erste Ziel: Vulkan Irazu – 3470m hoch und mit einem Krater von 1 km. Der Weg dorthin führte durch Cartago. und es ist unglaublich zu sehen, wie einfach die Menschen leben. Kleine Blechbuden und am Straßenrand wird Käse, Obst oder Gemüse angebaut. Auf dem Weg sah ich zum ersten Mal, wie viel Kraft Wind haben kann, denn der trieb ganze Erdwolken mit sich und es sah am Himmel faszinierend aus. Dann war ich mitten in einer und kurz drauf wieder raus – faszinierend.

img_0046

Am Fuße des Nationalparks zahlt man 15 Dollar, bekommt ein „Where are you from“ und nach der Antwort ein zuckersüßes „Hersslich Willkomen“*grins* und dann geht es weiter steil bergan, bevor man oben ankommt. Der Wind der Hammer – die Jacke wurde aus dem Kofferraum gezogen und losgestapft. Ich dachte ich fliege davon, meine Ohren brannten, aber es war alles wert. Der Ausblick – ein einziger Traum.

Um wieder zu tauen, gab es am Souvenirladen Kaffee und die ersten Karten, allerdings keine Briefmarken nach Europa und dann ging es weiter – schließlich lagen 90 km vor mir und die wurden ein Abenteuer. Eigentlich sollte es immer Tranpanermericana gehen – doch dann führte das Navi in die Berge .30 Grad Steigungen, unbefestigte Wege, Spurrinnen, eine Palme im Weg und keine Chance zum Wenden. 9 km Horror, aber wunderbare Aussichten ins Tal und Pflanzen und Blüten (leider keine Chance zum Fotografieren – bloß beim Entfernen der Palme zückte ich mal schnell mein Handy).

Am Ende kam wieder die Straße, genau, die, die ich vorher vielleicht 3 km weiter südlich verlassen hatte und ich war happy. Ein kleines Restaurant am Wegesrand bot für stolze 7,50 Euro ein Mega Gericht mit Vorsuppe und Kaffee an und dann ging es zum nächsten Ziel:

Der Lodge in Dota, am Nationalpark Los Quetzales und dort offenbarte sich Natur pur. Mitten im Nationalpark befindet sich die El Toucanet Lodge. Dies bedeutet: wunderbar angelegte Wege führen zu kleinen Lodges und es ist der absolute Traum. Kleine Flüsse, tolle Pflanzen und ach einfach ein Ort zum Verlieben. Diese Lodge hat schon jetzt einen Platz in meinem Herzen. Als ich schon geduscht und mit Handtuch auf dem Kopf auf dem Bett lümmelte, klopfte es und es stand ein Guide vor der Tür : in den Händen eine Wärmflasche und Betthupfel – das Leben ist schön. Am nächsten Morgen begann um 5:30 unsere gebuchte  Birdwatching tour mit dem Ziel einen Quetzal zu sehen. Dies ist eigentlich der Nationalvogel Guatemala’s, aber er lebt hier. Wir entschieden uns für lange Hosen und Jacken und ich danke Gott dafür. Mein Gott was habe ich gefroren, aber klar wir waren in 3500m Höhe und die Sonne war noch nicht aufgegangen und als sie aufging, da drückte das fiese Luder die Kälte in unser Tal. Was habe ich geklappert, gezittert und dann endlich kam erst das Männchen und später das Weibchen. Die Tour ging noch eine Stunde, aber ich hielt es nicht mehr aus und ging zurück in die Lodge. Da war es leider genauso kalt, also die Füße kurz unter die Bettdecke und dann um sieben zum Frühstück, dass übrigens exzellent war und die leckersten Pancakes anbot und superleckere selbstgemachte Marmelade. Um neun kam unser Guide und wir gingen gemeinsam in den Dschungel, sahen tolle Vögel und kletterten bei einem Wasserfall in eine Höhle. Nach über 2,5 Stunden ging es zurück und mein Kopf schwirrte von den tollen Bildern und Geräuschen. Wir machten noch eine Runde durch dieses wunderbare und mit so viel Liebe gestaltete Gelände, aßen Mittag und reisten um zwei weiter.

Das nächste Ziel war die biologische Station Las Cruces bei San Vito. Das Navi wollte die neue Unterkunft nicht, also haben wurde nur der Ort eingegeben. Vorbei an Palmenwäldern, Bergen, Flüßen und in den tieferen Gebieten: Feuer. Ja wir sahen wir überall Feuer, beim ersten war ich noch geschockt und überlegte, wie und wo man denn eine Feuerwehr erreichen kann. Doch dann sah ich, dass es die Anwohner nicht kümmert. In den Bergen stiegen Rauchwolken auf und erreichte die neue Unterkunft. Obwohl ich halb sechs ankam, machte nur eine Studentin das Tor wieder zu, dass ich davor liebevoll geöffnet hatte, telefonierte und drückte mir irgendwann einen Schlüssel mit der 13 in die Hand. Mit Händen und Füßen erklärte sie mir, wo wir diese finden. Okay also dann allein und als ich den ersten Schritt auf dem Balkon standen, saß ein Tapir unter dem Balkon und ein Tukan gegenüber auf dem Baum. Das nenne ich ankommen. Herrlich. Da man das Abendessen vorbestellen muss, ging es noch einmal raus aus dem Gelände in ein kleines, süßes Restaurant. Es war wieder sehr lecker und der Tag endete genauso toll, wie er begonnen hatte. Am nächsten Morgen saß der Tukan wieder da und nach einem eher dürftigen Frühstück ging es ab in den Dschungel.

Diese Geräusche, das Summen und Surren, diese tollen, farbenfrohen Blüten und dann wieder das komplette Klettern über irgendwelche Wurzeln, um vor riesigen Palmen oder anderen Pflanzen zu stehen. Mir fehlen einfach die Worte und ich glaube auch meine Fotos können nicht in Worte fassen, was ich sehen konnte. Nach 3 Stunden war der Durst riesig und dann ging es weiter.

Das linke Foto zeigt die Blüte der Gingerpflanze – das skurrile Etwas rechts, gab es in allen Farben.

Das neue Ziel war eine Lodge im einzigen Regenwald an der Pazifikküste. Der Name der Lodge Esquinas Rainforest Lodge –  Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie toll Ananasplantagen, Kaffeeplantagen und Zuckerrohrplantagen aussehen? Nein- dann mache ich es hier. Im Lodge angekommen, gab es eine freundliche und vor allem englische Begrüßung und eine Einführung. Der Regenwald ist herrlich, doch außer dem Pool und einigen zentralen Stellen sind alle Trails ab 14 Uhr aus Sicherheitsgründen gesperrt. Es ist zu gefährlich, also nahm ich die Kamera und fing doch so ein paar Vögel und tolle Pflanzen ein. Ein netter Engländer verwickelte mich in ein Gespräch und er erklärte mir, dass er wunderbare Kaimane fotografiert hat und tolle Vögel und plötzlich war da wieder ein Tukan. Was für schöne Aufnahmen das geworden sind, zeige ich euch hier.

img_0410

Am Pool hingen Hängematten und es war Zeit zum Relaxen. Ach ja das Leben ist schön. Okay, die erste Schlange so förmlich fast unter den Schuhen meines Sohnes zu wissen, war nicht so toll, aber alles ging gut. Hier übrigens mal ein Foto, man muss sich das einmal überlegen: DA fühlte er eine Schlange unter seinen Latschen, springt geistesgegenwärtig zurück, aber drückt noch auf den Auslöser. noch Fragen, wessen Kind das isr???

img_0421

Hier zu Hause ergaben Recherchen, dass es sich wohl um eine Hornviper gehandelt hat …ich schweige dazu lieber!

Nach 14 Uhr darf man nicht mehr auf die Trails im Wald, da es zu gefährlich ist. Also war relaxen am Pool angesagt. Doch irgendwie wollte ich Fotos und Abenteuer und ich erinnerte mich an die Worte der Rezeptionistin, dass es ja rubber boats gäbe und das klang doch gut. Also auf der Karte den Punkt gesucht und auf ging es. Ziemlich verwunderlich dabei war, dass es wieder in den Wald ging, aber was sollte es. Aber irgendwie war da nichts, außer einer kleinen Hütte, wo Gummistiefel und Wanderstöcke hingen. Ähm halt, hatte sie vielleicht gar nicht rubber boat sondern rubber boot gestanden ? Ja tatsächlich, ein Blick auf die Karte bestätigte alles: es gab gar keine Schlauchboote, sondern Gummistiefel. Was für ein Spaß! Also lieber zurück und an die Ermahnung gedacht, dass man den Wald nicht betreten soll. Es gibt zwar nur 17 verschiedene Schlangenarten und mehr als 20 Frösche und es wurde in den vergangenen Jahren nicht ein Gast gebissen, doch ehrlich, da ich so etwas anziehe, waren wir schnell wieder am Pool. Später dann lud eine Art Restaurant auf gemütlichen Sesseln zum Verweilen ein und ich unterhielt mich mit einem älteren Engländer über die tollen Fotomotive, die es hier gab und die Vögel, die er schon eingefangen hat. Plötzlich kam wieder ein Tukan und wir wetteiferten um das beste Foto. Aber auch andere tolle Vögel mussten wir per Kamera festhalten.

Punkt sieben gab es Dinner und es war einfach zauberhaft. Die Rainforest Lodge wurde ursprünglich von Österreichern gegründet. Ziel war auf der einen Seite den Regenwald zu schützen und das Abholzen zu stoppen, auf der anderen Seite um Arbeitsplätze für ein Dorf zu schaffen. Man wollte beweisen, dass eine Lodge, die 34 Gäste beherbergen kann, ein Dorf ernähren kann. In der Hauptsaison arbeiten 22 Festangestellte und man erkennt die liebevolle Pflege. Allein 3 Gärtner kehren und reinigen Wege und sorgen für Ordnung. Am Morgen weckten uns fantastische Tiergeräusche, ein Summen und Sirren der Insekten, ein dumpfes Grummeln in der Ferne , dass auf irgendwelche Säugetiere in Wald hinwies und buntes Gezwitscher der Vögel. Der Blick vor die Tür zeigte ein seltsam großes, gefiedertes Etwas, das gelbbeschnabelt auf mich zukam. Da ich das Handy wegen Wlan in der Hand hatte drückte ich auf den Auslöser, um später zu lesen, was dieses Tier ist. Da erklangen hinter den Bananenbäumen wieder seltsame Geräusche und es war mir egal, dass ich nur in meinem Schlafi draußen stand, ich schnappte mir die Kamera und stiefelte los. Was für tolle Fotos dabei entstanden, seht ihr hier.

img_0433 Er rief zum Paaren auf und gleich zwei Damen kamen, in seinem Schnabel hielt er irgendetwas, dass ausschaute, wie ein kleines Lebewesen. Die beiden Damen begannen dann ein lautstarkes Geschrei und Gezanke um den Herren ,-)

Da der Engländer am Abend erzählt hatte, dass am Schildkrötenteich am Morgen Kaimane lungern, zog ich mir was über und machte mich auf die 5 min Strecke und siehe da. Ein Kaiman lag da und sonnte sich. Herrlich !

img_0450

Zurück zur Lodge und dann zum Frühstück, welches 7 Uhr serviert wurde! Jetzt denkt ihr bestimmt: 7 Uhr im Urlaub – das ist Mord. Nein, glaubt mir, man ist um fünf wach, total erholt, genießt die Geräusche und kann um 7 mehr als gut frühstücken. Das Frühstück übrigens war einfach toll, frischer Saft, Müsli und lecker Obst, Omelett und Brot mit Marmelade umrundet von Vogelgezwitscher ließen mich eine Stunde lang relaxen. Dann ging es ab und auf eigene Faust zum Wasserfalltrail. Der sollte ja leicht sein. Klar und da kein Guide mehr zur Verfügung stand ging es los. Irre ! Es gab Anstiege, die jenseits von Gut und Böse waren und wie gesagt es war alles unbefestigt, denn wir reden hier vom Regenwald ! Aber es war ein Traum, der Schweiß lief, aber es egal. Nach fast 2 Stunden und 2,3 km war ich happy, aber völlig im Eimer.

Am Kühlschrank fehlte zwar die Liste von gestern mit meinem Namen, doch es war leicht eine neue zu schreiben und mir hat eine kalte Fanta selten so gut geschmeckt. Später lag ein XXl Kaiman am Teich und Kleinere schwammen im Teich. Herrlich !

img_0516

Dann war es Zeit die Koffer zu packen und weiterzureisen. Es ging ins 120 km weiter entfernt Casa del Angel Hotel und man glaubt es kaum, aber das Navi kannte die Strecke. Es gab zwar wieder sehr lustige Ansagen, wie „nehmen Sie die Einfahrt zu Einfahrt zu Straße der Straße “ oder noch besser „biegen Sie links ab und fahren Sie auf die Conzilias del Angela’s de Foutanadas a Panaamericana el Cruszos “ ( in Echt war die Ansage noch länger und mir liefen die Tränen vor lachen ).

Das Hotel selbst lag dann sehr einfach zu finden und der Check-in wurde wieder mit einem frischen Saft, Marke, noch nie gesehen, geschweige denn getrunken, gekrönt. Da es hier wunderschöne Strände geben sollte, wurde das Auto wieder gestartet und die Suche nach dem Strand begann. Endlich fand ich einen, da stand allerdings“ no swimming and no feeding crocodiles“ okay weiter zum Nächsten gelaufen. Ist ja nicht so, dass ich heute nicht schon gewandert bin und meine Waden sich wie Steine anfühlen. Der nächste Strand: „no swimming “ es waren zu hohe Wellen, trotzdem musste ich einfach mal alles liegen lassen und meine Beine, okay ich war bis zum Bauch im Wasser, wenn eine Welle kam, in das warme Wasser des Pazifik zu tauchen. Tja und dann kam sie, die große Welle, die alles an Handtuch und Decke ( hoteleigen ) flutete. Also wurde alles notdürftig zusammengepackt und zurück ins Hotel gefahren. ( über meine Frisur muss ich nicht reden oder?)

Der Pool war ja auch toll. Einfach mal in der Sonne liegen und relaxen war schön, für den Abend einen Tisch im Restaurant gesichert, eine Kajaktour gebucht und liegen und nichts tun. Da ich mit dem netten Mann an der Rezeption darüber geredet hatte, dass ich hoffe auf der Tour Affen zu sehen, weil ich bis dato immer nur welche hören konnte, muss ich ja wohl nicht überrascht sein, dass mein Pool relaxen von ihm unterbrochen wurde, damit er mir die Affen zeigte, die in den Palmen hinter dem Pool turnten und irgendwann turnten sie auf fast jeder Palme um den Pool. Ich machte wunderbare Fotos von Totenkopfäffchen. Übrigens muss  auch bei der Familie Affe wohl Valentinstag gewesen sein, ein Affe kraulte liebevoll den Rücken des anderen und als dieser weiterklettern wollte, zog er ihn zurück. Ich habe so wunderbare Fotos gemacht und während ich so immer wieder auf den Auslöser drückte, sprang ein Affe über mir und verpasste den eigentlichen Ast, den er haben wollte. Nun hing er an ein paar kleinen Zweigen, keine 2 Meter über mir und schaute mich fragend an. Ich schaute zurück und dachte nur, bitte bitte spring jetzt nicht runter :-).

img_0558

Während des Abendessens dann, ich muss anmerken, dass es dunkel war, kamen plötzlich aus den Bäumen unheimliche Geräusche. Der Parkplatzwächter ging immer wieder mit einer riesigen Taschenlampe zu den Palmen und leuchtete hoch – es müssen so große Affen gewesen sein. Ihr Brüllen war tief und dunkel! Dieses Brüllen sollte die Nacht noch immer wieder zu hören sein, aber das wusste ich da ja noch nicht. Am nächsten Morgen wachte ich früh auf, das Brüllen noch in den Ohren, den Pool vor dem Balkon war klar, dass der Vormittag zum Relaxen gedacht ist. Nach einem wunderbaren Frühstück mit wieder mal einem neuen unbekannten, frischen Saft nahm ich mein Buch und legte mich am Pool. Herrlich! 30 Grad um 9 und ein Gezwitscher und Geraschel in den Bäumen, kleine Geckos, die die Sonne genossen und ein Buch, welches unberührt blieb. Es war einfach zu schön in der Sonne zu liegen, zu schwimmen und leckeren Mangosaft zu trinken. Dabei überlegte ich die ganze Zeit, wie der Saft beim Frühstück hieß, denn ich wollte es googlen, ah Cas kam die Erleuchtung, nur leider kannte mein Wörterbuch das Wort nicht. Gegen elf kam dann Stimmung am Pool auf. An einem großen Baum am Weg hatte ich schon den ganzen Morgen ein paar kleine Affen gesehen und auch eine Mutter mit ihrem kleinen eingefangen. Während ich mit dem Kellner redete, was für Affen denn in der letzten Nacht solch eine Krach gemacht hatten, wurde der Pool zum Tummelplatz für wenigstens 30 Affen. Sie sprangen von den Bäumen auf das Gebäude neben dem Pool, turnten in den Palmen und hüpften auf dem Hoteldach herum. Es war herrlich und ich drückte immer wieder den Auslöser.

Um eins ging es zur Kajaktour in den Mangrovenwald. Treffpunkt war in Domenica, einen Ort ungefähr 10 km vom Hotel entfernt. Bei Pineapple Tours angekommen, wurde der Leiter der Tour vorgestellt und wir stiegen in kleine Busse. Na dann – das Abenteuer sollte beginnen. Zuerst ging es zirka 10 km auf der Hauptstraße gen Norden und dann bogen wir ab. Wir stoppten kurz mitten in der Pampa und Viktor, unser Guide, forderte uns auf auszusteigen. Ziemlich genervt verließen wir das Auto, denn es war erstens mehr als 50 Grad warm und definitiv nirgendwo Wasser zu sehen. Unter einer Palme blieben wir stehen und er forderte uns auf, nach etwas Besonderem zu suchen. Also ehrlich, ich sah nichts! Klar Palmwedel, aber mehr nicht, doch er war geduldig und wies und auf etwas Haariges hin – alle sahen etwas, doch ich konnte nichts erkennen. Wir gingen weiter und fuhren los. Kurz drauf stoppten wir wieder und er erzählte uns, dass es nur zwei Arten des Faultieres in Costa Rica geben würde und die zweite war, nun auch für mich sichtbar, über uns. Es hing da und führte gemütlich im Zeitraffer ein Blatt zum Mund. (aber ehrlich die sind voll hässlich).

Ich lernte, dass ein Faultier nur ein Mal pro Woche vom Baum kommt, um sein Geschäft zu erledigen und dass sie immer allein sind. Nach weiteren 10 min kamen wir im Mangrovenwald an und bekamen noch eine kurze Einweisung und dann ging es los. meine Truppe bestand aus 6 Personen und wir durchquerten enge Stellen, die mit riesigen Wurzeln rechts und links echt unheimlich aussahen. Über uns ein Papagei Nest, dubiose Vögel, Spinnen und unter uns im schlammigen Wasser irgendwelche Fische und Krokodile. Letztere sah ich „leider“ nicht, aber ab und an fühlte es sich komisch unter dem Kajak an. Ein Pärchen aus Neu England jubelte aufgeregt, als es über eines fuhr. Okay. Die Fahrt wurde anstrengender und man musste furchtbar aufpassen. Einmal falsch gepaddelt und man hing, wie ich in irgendwelchen Wurzeln fest. Es dauerte ewig wieder rauszukommen und die Blicke der anderen Paddler auf einen zu fühlen, machten es nicht leichter. Aber es sollte ja noch besser kommen. Viktor erklärte uns das Leben im und am Wasser und auch Pflanzen. Ich habe so viel gelernt. Über uns ragte ein Ast ins Wasser und da hing ein Faultier und fraß. Schnell ein super Foto gemacht. Ja da staunt ihr oder ? Man konnte seine Kamera mitnehmen und da ich hoffte endlich mal einen Papagei vor die Linse zu bekommen, hatte ich sogar meine beiden Kameras mit.

Dafür hatte ich extra einen wasserfesten Beutel bekommen. Obwohl das Wasser ruhig war, nahm ich mir nur meine kleine Canon raus und da wir gemütlich paddelten behielt ich sie bei mir und machte tolle Fotos dieser unheimlich tollen Bäume. Mangroven können in Salz- und Süßwasser leben und sehen sehr skurril aus. Wir hatten ja schon einige Bäume unterfahren oder umfahren müssen und als so die nächste Biegung vor mir lag, mit noch einen Baumstamm vor mir, war mir zwar mulmig, aber da ein Kajak ja nicht kippen kann, der Guide am Baum war und zur Not helfen konnte, sollte sich diese 80 Grad Kurve doch fahren lassen. Der Typ aus den Staaten ging mir ja die ganze Zeit schon ein wenig mit seinem Fahrstil auf den Wecker. Mal blieb er genau unter einem Spinnenbaum stehen, den wir aus Sicherheit umfahren sollten, dann wieder bremste er ab und überholte später wieder und nun musste ich in der Strömung das Kajak stillhalten, weil er da an der Biegung für Stau sorgte. Als er endlich durch war und der Guide mich zum losfahren animierte, passierte es. Keine Ahnung warum, wieso – das Kajak kippte von null auf Hundert und ich war richtig tief im schlammigen Wasser. Prustend kam ich wieder hoch und das erste, was mir einfiel, war meine Kamera! Nun muss ich der Fairness wegen zugeben, dass wir am Anfang belehrt wurden, dass das Wasser nicht tief, aber sehr, sehr schlammig sei und wenn wir Dinge verlieren, diese unwiederbringlich sind. Gut die Kamera war nicht wasserfest, aber an der Stelle und ich war sicher einen halben Meter unter der Wasseroberfläche, konnte ich überhaupt keinen Grund finden. Ich strampelte und packte die Tasche mit der anderen Kamera und war froh irgendwann die Hand des Guides zu fühlen.( wie hatte er gesagt „low water“ – habe ich erwähnt, dass ich über 1,80m und keinen Grund fühlte, low … hahaha) Ich hatte keine Kraft in mein Kajak zu kommen und kletterte auf sein Board. Kurz hinter der Biegung kam das Meer mit gewaltigen Wellen und drückte Wasser in einem Kanal und dort machten wir eine kurze Pause.

Ich zog meine total verschlampten und stinkigen Sachen aus und stellte fest, dass meine rosa Hose wohl nie wieder rosa sein würde. Naja … zum Glück hatte ich einen Bikini drunter. Nach einer kurzen Stecke paddeln trugen wir die Kajaks über eine Sandbank und konnten im Meer schwimmen oder besser in einem Arm, wo das Meerwasser mit mal mehr und weniger Gewalt ankam. Es war herrlich den Schlamm aus den Haaren zu bekommen und es war mir zum ersten Mal egal, dass sich der Pazifik salzig ist. Dann kam die nächste Herausforderung, denn als die Wellen weniger wurden, forderte Viktor uns auf, sehr schnell über den Arm auf die andere Seite zu fahren. Ich war ein wenig nervös, aber es klappte gut und dann ging unserer Fahrt weiter. Am Rand stand ein Baum, der wunderbare, gelbe Blüten hatte und Viktor erklärte, dass dies kein einheimischer Baum ist, sondern wegen des schnellen Wachsens aus China eingeführt wurde, um aus ihm Weidepfähle zu bauen. Was man nicht eingeplant hatte war, dass dieser Pfahl, wenn er nicht geschnitten wird, innerhalb von 3 Monaten ein Baum werden kann und nachdem die Viehzucht auch Latainamerika immer weniger Gewinn einbringt, wachsen nun ganze Scharren dieser Bäume und verbinden verschiedene Wälder, so dass die Affen immer weiter wandern können. Nach drei Monaten ist so ein Baum übrigens 2,50 m hoch! Wieder was gelernt. Die Sonne brannte und es ging weiter. Soll ich ehrlich sein ? Ich konnte mich selbst grad nicht leiden und die Tour nicht so genießen, wie geplant. Agnes, eine Französin, versuchte mich aufzulockern und meinte, ich soll froh sein, dass ich mir nichts gebrochen habe und das stimmte auch, aber ich sah eben meine tolle, kleine Canon mit wunderbaren Fotos von diesem Urlaub auf dem schlammigen Boden im Mangrovenwald. Am Ende der Tour erwartete uns ein Tisch mit frischem Obst und es war genial

Es entschädigte dafür , dass ich wieder keine Papageien gesehen hatte und die andere Hälfte unserer Gruppe dafür grüne und Aras. Agnes erinnerte mich, dass die Sonne jeden Moment untergehen wird und wir liefen die 100m zum Pazifik und ich machte wunderbare Fotos und vergaß kurz meinen Frust.

img_0593

Auf der Heimfahrt redete ich mit der jungen New Engländerin und sie schwärmte von ihren Hotels und fragte, wie und was ich empfehlen könnte. Es gibt bis dato keinen Ort, den ich nicht weiterempfehlen kann, aber wenn es mit nur einem getan werden soll, dann ist es die Lodge im Regenwald, sagte ich ihr. Es war ein nettes Gespräch und trotzdem wurde mir ihr Freund nicht sympathischer. Ich konnte nur hoffen, dass die Veranstalter der Tour Wort hielten und die Fotos per Mail an uns senden, die sie gemacht haben. Nach über 5 Stunden kam ich total am Ende im Hotel an und schlich über den Hintereingang zum Aufgang, denn die meisten Leute aßen schon zu Abend und mein Erscheinungsbild, dazu die schlammigen Klamotten in der Hand, dass wollte ich niemanden antun. Ihr wisst ja, wie sehr ich diesen Kampf mit dem Fön hasse, wenn dieser, auf 110 V runtergefahren, ewig braucht, um drei Haare zu legen. Nun hatte ich ja gestern schon gekämpft und musste schon wieder. Ach das Leben ist grausam. Während ich unter der Dusche stand, lagen meinen ehemals rosafarbenen Hosen in dieser und ich wusch sie immer wieder aus. Die Taschen waren komplett voller Schlamm! Um 8 gab es ein wunderbares Essen, allein die Dekoration war wieder ein Gedicht. Total am Ende lag ich um zehn im Bett, lauschte den heute sehr leise turnenden Affen, um am nächsten Morgen um sechs putzmunter auf dem Balkon zu stehen und dem Erwachen der Natur zuzusehen. Um sieben ging ich zum Frühstück und um acht kühlte ich meinen fatalen Sonnenbrand im Pool. Ja das war die Erinnerung an die Kajaktour im Bikini! Um zehn ging es nach Domenica zum Souvenirs kaufen, aber wirklich toll, war nichts.

Mittag erreichte ich das nächste Ziel Manuel Antonio. Der Nationalpart dort ist das Ziel vieler Touristen und der Ort die erste und noch Gott sei Dank einzige Touristenstadt. Schon beim Einfahren in den Ort fielen die vielen Menschen vor lauter an sich reihenden Buden auf und ich hatte große Lust umzukehren. Die Suche nach einem Parkplatz war ähnlich schwer, wie die Nadel im Goldhaufen zu finden und als das Auto endlich parkte, sprach mich der Platzwart an und wollte wissen, ob eine Gruppenführung oder eine allein durch den Park gewünscht ist. Da der Preis nur eine Differenz von 10000 Colones hatte, wählte ich die letztere Variante. Das bedeutete, dass das Auto wieder ausgeparkt werden durfte und 100m weiter am Rand ein neues Domizil. Gegenüber war ein wunderbarer Strand mit riesigen Wellen. Kurz darauf erschien Erlando der Guide und was er alles in dem Park entdeckte und erklärte, war der absolute Wahnsinn. Von Spinnen, Libellen, die zuerst drei Metamorphose Prozesse im Meer erleben, bevor sie als Raupe in dem Park kommen und später nach der Verpuppung als Libelle durch den Park zu schwirren, über Fledermäuse und ihre Gewohnheiten,bis hin zu der Erklärung warum Brüllaffen, die übrigens faul auf den Bäumen hingen und schliefen, so viel Schlaf brauchen – es war wunderbar diesem jungen Mann zuzuhören. Brüllaffen leben nur von den Blättern der Bäume und essen keine Früchte, da Blätter weniger Energie als Obst liefern, klar, müssen sie mehr schlafen. Hier einfach mal ein paar Fotos der Dinge an denen ich sonst vorbeigelaufen wäre.

Am Ende der Führung erreichten wir den Strand des Nationalparks und er verabschiedete sich, doch während dessen entdeckte er eine Mutter Faultier mit Baby über uns. Am Strand zog ich mich um, die Affen turnten neben mir und ich ging frohen Mutes ins Wasser. Ich stand erst bis zu den Waden, als eine riesige Welle kam und obwohl ich mich mitgleiten lassen wollte, war sie über mir und ihr ahnt es, meine Frisur wieder im Eimer! Toll! An der Wasserstation saß ein kleiner Kapuzineraffe und versuchte Wasser zu bekommen. Es war so süß und als er im Becken saß, kam tatsächlich ein anderer und zog ihn am Schwanz nach unten. Ein anderer saß da und knapperte an einer Mango, als dieser grundlos angegriffen und der Frucht beraubt wurde. Herrlich !!

Am Ausgang des Parks stand ein Mann und verkaufte Kokosfrüchte, um ein kaltes Getränk zu bekommen, kauften wir eine und pausierten kurz. Als plötzlich ein Chamälion von uns Touristen total überfordert wurde. Es waren wohl zu viele Füße und so entschied es sich plötzlich mal an einem Menschen hochzulaufen ,-). Es saß dann total still an die 5 Minuten auf dem Rücken dieses Mannes, der zwar erst total erschrocken, dann aber sichtlich stolz war.

Wenig später kaufte ich noch eine Nuss.Es war so wohltuend und kurz darauf saß ein kleiner Affe auf dem Zaun und hielt so eine in den Händen. Ein zweiter schaute traurig zu und ich hielt ihm meine hin. Ganz vorsichtig kam er näher und versuchte sie zu greifen, doch sie fiel runter. Auch dem anderen fiel seine Frucht aus den Händen und er bekam dafür eine Ohrfeige vom dahinter sitzenden Affen. Ich kann bestätigen: Affen und Menschen – passt ! am Abend ging es dann zurück nach San José. Schade – ich werde die Natur, diese tollen Farben und Laute und diese saubere Luft so vermissen.

Auf dem Weg zur Hauptstadt kamen gleich drei Mautstationen und das auf keinen 120 km- im Durchschnitt einen Euro, aber es erklärt vielleicht warum die Hauptstraßen alle super in Ordnung sind. An der letzten Mautstelle waren 8 Kassierhäuser, also fuhren die Pkw und Lkw auch alle acht an und danach mussten alle wieder auf eine Spur zusammenkommen. Das war zwar vom Blickwinkel her toll zu sehen, aber es dauerte ewig, ehe all die querstehenden Autos wieder in einer Reihe fahren konnten und als das endlich passierte, erreichten wir die Tore der Stadt und damit den Superstau. Fast 2 Stunden quälten wir uns zum Hotel und als das Navi sagte, dass wir da wären, standen wir in einer Sackgasse und sahen: nichts ! Toll also ein paar Runden gedreht und irgendwo gehalten und gefragt und doch noch angekommen. Den letzten Tag war ein wenig entspannen angesagt und der Besuch einer Kaffeeplantage. Da dieser erst Mittag sein sollte, war Zeit zum lesen ( was den ganzen Urlaub zu kurz gekommen war ). Mittag kam uns ein Shuttle abholen und auf Britts Kaffeeplantage ging die Reise durch die Verbreitung und Produktion von Kaffee los. Schon interessant zu wissen, dass fast alles Müll ist. Nur 20 Prozent der Frucht werden für den Kaffee geröstet. Die beiden Leiter der Tour arbeiteten mit so viel Spaß und Gaudi. Dann suchten sie einen Freiwilligen, doch keiner wollte, da kam ich. Und ich wurde eine Pflückerin. Ich bekam ein Schultertuch, einen Hut und einen Korb vor mich. In diesen Korb werden 11 Kilogramm Bohnen gepflückt, jeder Korb wird mit 3 Dollar entlohnt. Ein guter Pflücker schafft 20 Körbe am Tag.

Schaut mal wie lustig ich aussehe:

Ja das war sie, meine Reise, dies war mein nächster Reisebericht – in der Hoffnung, dass ich euch gut unterhalten habe, ihr meine Fotos mögt, grüße ich euch und würde mich freuen, wenn ihr den Bericht teilt, liked .. .ach ihr wisst schon. Liebe Grüße Flo